Daimler-Motoren-Gesellschaft und Kässbohrer haben vor 100 Jahren Zusammenarbeit begonnen
Neu-Ulm/Stuttgart
22.12.2010
  • Der Ulmer Wagnermeister Karl Kässbohrer fertigte bereits 1910 die ersten Phaeton-Limousinen und Landaulet-Karosserien für die Daimler-Motoren-Gesellschaft
  • Neben vielen Kässbohrer-Omnibusaufbauten auf Mercedes-Benz Fahrgestellen konnten die Ulmer herausragende Fahrzeuglösungen mit Mercedes-Benz realisieren
  • Stromlinienbusse und der größte Omnibus der Welt, den Kässbohrer gebaut hat, trugen den Mercedes-Benz Stern als weit sichtbares Markenzeichen
  • Mit der Setra Baureihe 200 traten Mercedes-Benz Motoren im Setra einen Siegeszug an. Heute sind umweltfreundliche, modernste Dieselmotoren mit SCR-Technologie aus Mannheim Serienausstattung in Setra Omnibussen
  • Die Gründung der EvoBus vor 15 Jahren und deren Integration in den Daimler Konzern machten den Fortbestand der Traditionsmarke Setra aus Ulm und ihre erfolgreiche Weiterentwicklung möglich
Neu-Ulm/Stuttgart – Die Geschäftsbeziehungen zwischen dem ehemaligen Ulmer Nutzfahrzeughersteller Karl Kässbohrer und der vormaligen Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart reichen bis ins Jahr 1910 zurück. Die sehr erfolgreiche und gewachsene Partnerschaft zwischen den beiden Omnibusmarken in der EvoBus hat also lange vor Gründung des größten europäischen Busherstellers unter dem Konzerndach der Daimler AG begonnen. Daran sei dieser Tage erinnert, kurz vor dem 100sten Geburtstag des ersten Kässbohrer Omnibusses, der am 11. Februar 1911 auf der Vorstadtlinie Ulm-Wiblingen fuhr und in dem Jahr, da die Marke Setra 60 Jahre alt wird. In der Dokumentation „Die deutsche Automobilindustrie von 1886 bis 1979“ des Verbands der Automobilindustrie (VDA) taucht Karl Kässbohrer schon 1908 als Wagenbaubetrieb mit Spezialisierung auf Lkw-Anhängewagen auf, um dann 1910 mit einem größeren Eintrag
„Karl Kässbohrer Fahrzeugwerke liefert neben Kutschwagen offene Phaetonlimousinen und Landauletkarosserienen an Daimler, Opel, Adler und NSU“ aufzutauchen. Phaeton-Limousinen waren zu dieser Zeit, als die meisten Automobilhersteller die Aufbauten ihrer Fahrzeuge von Wagenbauern fertigen ließen, bequeme Tourenwagen. Landaulet ist eine französische Bezeichnung für die Karosserieform, die sich entweder offen oder geschlossen fahren ließ. Deshalb wurde das Endstück des Dachs der meist vier- oder sechstürigen Fahrzeuge durch ein Faltverdeck abgeschlossen. Landaulet fanden ihre Verwendung meist als Staatskarossen und waren die Premium-Produkte der namhaftesten Hersteller wie Mercedes, Maybach oder Rolls-Royce.
Zehn Jahre nach der Gründung firmierte das Wagnergeschäft als „Erste Ulmer Karosseriefabrik Karl Kässbohrer“ und zog vom Lautenberg im Schatten des Ulmer Münsters an den nördlichen Stadtrand in die damalige Obere Karlstraße, nahe der Bahnlinien Ulm–Stuttgart und Ulm–Aalen/Ellwangen. Mit diesem wesentlichen Entwicklungsschritt für den noch jungen Handwerksbetrieb begründete Karl Kässbohrer den Nutzfahrzeugbau in Ulm. Dieser Industriezweig ist in der Münsterstadt schließlich über Jahrzehnte hinweg zum bedeutendsten Industriezweig geworden und hat abertausenden von Menschen und vielen Generationen Arbeit und Brot ermöglicht.
Der 11. Februar 1911 markierte einen wesentlichen Meilenstein und den eigentlichen Auftakt zur Kässbohrer-Omnibusgeschichte, der es an herausragenden Ereignissen nicht mangelt. An diesem Tag wurde die erste Ulmer Omnibuslinie eröffnet, die vom Ulmer Münsterplatz in den südlich gelegenen Vorort Wiblingen führte. Die eigens dafür gegründete Verkehrsgesellschaft hat mit Karl Kässbohrer einen Gesellschafter, der als Anteil seinen ersten Kraftomnibus einbrachte. Das Fahrzeug war auf einem Saurer-Fahrgestell aufgebaut und hatte 18 Sitz- und zehn Stehplätze und wurde von einem zugkräftigen Vierzylindermotor, der etwa 22 kW/30 PS leistete, angetrieben. Der gesamte Aufbau war seiner Zeit voraus: Ganz im Gegensatz zum damals Üblichen saß der Fahrer bereits in einem geschlossenen Fahrerhaus, dem ersten dieser Art im deutschen Nutzfahrzeugbau überhaupt.
Sichtbare Beispiele der erfolgreichen Symbiose zwischen dem traditionsreichen Omnibus-Hersteller aus Ulm und dem innovativen, unablässig nach neuester Technik strebenden „Automobil-Erfinderunternehmen“, begründet von Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Karl Benz, zeigt sich in vielen Fahrzeugen. Nach dem ersten Weltkrieg in Europa entstand ein zunehmend wachsendes Mobilitätsbedürfnis. Viele, heute kaum mehr bekannte Fahrzeughersteller und die aufstrebende Verkehrswirtschaft mit ihren zahlreichen mittelständischen Betrieben vertraute schon in dieser Zeit auf die Fahrgestelle von Mercedes-Benz und die Kässbohrer-Omnibusaufbauten. Ein ganz herausragendes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen den beiden Omnibuspionieren waren die im Jahr 1935 von Kässbohrer im Auftrag der Deutschen Reichsbahn entwickelten Stromlinienbusse. Sie wurden von Kässbohrer auf Daimler-Benz Chassis aufgebaut. Diese Fahrzeuge waren für den Linieneinsatz auf den neuen Autobahnen konzipiert. Sie hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h einzuhalten und brachten es auf eine Höchstgeschwindigkeit von130 km/h. Dazu rüstete Daimler-Benz die Fahrgestelle mit Spezial-Schnellganggetriebe und Hochgeschwindigkeits-Reifen aus. Mit diesen Omnibussen wurde unter anderem die Verbindung Leipzig – Berlin eröffnet.
Auch der im Jahr 1938 von Kässbohrer gebaute damals größte Omnibus der Welt war eine Gemeinschaftsentwicklung. Der vierachsige Omnibus wurde von einer
Mercedes-Benz Sattelzugmaschine vom Typ LZ 8000 gezogen, eine Weltneuheit in der Lkw-Branche. Das Gesamtfahrzeug war 18,7 m lang und bot Platz für 170 Fahrgäste. Noch enger wurde die Zusammenarbeit ab dem Jahr 1976. Kässbohrer brachte damals seine Omnibusbaureihe 200 auf den Markt. Mit dieser Baureihe hatten die Setra-Kunden – nach der Integration des bisherigen Motorenlieferanten Henschel aus Kassel in den Daimler-Benz Konzern – fortan die Wahlmöglichkeit zwischen
Mercedes-Benz oder MAN Dieselmotoren. Bald schon betrug der Anteil der
Mercedes-Benz Motoren in den Setra Omnibussen nahezu 90 Prozent und Kässbohrer war einer der großen Einzelkunden im non-captive-Markt für die bewährten Antriebsquellen aus Mannheim. Heute werden alle Setra Omnibusse mit Leistungsstärken von 210 bis 370 kW mit den hochmodernen, umweltschonenden und überaus wirtschaftlichen Mercedes-Benz Dieselmotoren mit SCR-Technologie aus Mannheim ausgerüstet.
Es passte sehr gut ins Bild der seit über 80 Jahren guten Geschäftsbeziehungen zwischen dem Stuttgarter Automobilkonzern und dem mittelständischen Fahrzeugbauer in Ulm, dass nachdem die Karl Kässbohrer Fahrzeugwerke GmbH Mitte der 90er Jahre des ausgehenden 20. Jahrhunderts in die wirtschaftliche Schieflage geraten war, die damalige Mercedes-Benz AG der Ulmer Firma eine Kooperation anbot. Die Mercedes-Benz AG gab ein Angebot für den Omnibusbereich von Kässbohrer mit Arbeitsplatzgarantie bis Ende 1998 ab. Die ersten Schritte zur 1995 gegründeten EvoBus GmbH, der 100-prozentigen Daimler-Tochtergesellschaft, in der die Omnibusaktivitäten für Mercedes-Benz Omnibus und der Kässbohrer-Marke Setra gebündelt wurden, waren getan. Der Fortbestand der traditionsreichen und renommierten Omnibusmarke Setra bei gleichzeitig besten Perspektiven für ihre Weiterentwicklung war gesichert und darüber hinaus hat der Erfolg den Vätern dieses industriellen Kooperationsprojekts bis heute recht gegeben.
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