Gestalter und Konstrukteur in einer Person: Walter Häcker
Stuttgart
28.03.2012
Geboren: 16. Juli 1905 in Patschkau (Oberschlesien)
Gestorben: 24. Dezember 1989 in Aidlingen
Walter Häcker stößt zu Beginn der 1930er-Jahre zur damaligen Daimler-Benz AG. Als Karosseriekonstrukteur ist er mit der Gestaltung und technischen Umsetzung von Serienfahrzeug-Karosserien betraut, darunter einige Meilensteine in der Produktgeschichte des Unternehmens. Nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltet er unter anderem den Mercedes-Benz 190 SL (W 121 I).
Der Lebensweg von Walter Häcker ist geprägt von Technik und Gestaltung. Nach dem Besuch der Oberrealschulen in Göppingen und Ulm absolviert er als erste Hinführung auf den Ingenieurberuf Praktika auf den Gebieten des allgemeinen Maschinenbaus und Hüttenwesens, und zwar bei den Rheinischen Metallwerken (kurz Rheinmetall genannt) in Düsseldorf sowie den Deutschen Werken (kurz D-Werke) in Berlin-Spandau. Eine Facharbeiterausbildung schließt sich an, und er arbeitet zunächst als Maschinenschlosser – eine Tätigkeit, die ihm einen unmittelbaren Bezug zwischen Materialumgang und den Herausforderungen an praktische Arbeit nahebringt. Diese Erfahrungen sind so prägend, dass Häcker während seiner späteren Berufstätigkeit bei Neueinstellungen immer wieder Bewerber mit starkem Praxisbezug bevorzugt.
Häcker entscheidet sich für eine weitere berufliche Qualifizierung und besucht von 1924 bis 1926 die Staatliche Maschinenbauschule in Köln. Nach der Beendigung des dortigen Studiums findet er 1926 eine Stelle bei der Wagenkörperfabrik (genannt „Wakö“) der Deutschen Werke in Berlin-Spandau. Dort trifft er auf den ein Jahr älteren Hermann Ahrens, eine Begegnung, die für seinen weiteren Lebensweg als Karosseriekonstrukteur und -gestalter eine wichtige Bedeutung erlangen wird. Als die D-Werke ihren Karosseriebau an die amerikanische Karosseriebaufirma Ambi Budd verkaufen, mit einem Werk gleichfalls in Berlin, geht Häcker zunächst mit zu Ambi Budd, deren Stärke die Produktion von Ganzstahlstahlkarosserien nach eigenen Patenten ist. Die Fertigungsmethoden sind außerordentlich modern für die damalige Zeit, in der verbreitet Fahrzeuge noch mit Fahrgestell, Holz-Hilfsrahmen und Blechbeplankung hergestellt werden.
Häcker zieht es weiter. Von Ambi Budd folgt er einem Ruf der Horch-Werke nach Zwickau, ausgelöst von seinem früheren Kollegen Ahrens aus Berliner Tagen. Ahrens selbst ist am 1. Oktober 1928 zu Horch gegangen; vier Jahre später, am 12. September 1932, übernimmt er bei der Daimler-Benz AG im Werk Sindelfingen die Stelle des Leiters des Sonderwagenbaus. Unter Sonderwagenbau versteht man vor allem die Gestaltung und die Fertigung von Einzelkarosserien nach Kundenwünschen.
Ahrens wird vom damaligen Leiter des Werks Sindelfingen, Wilhelm Haspel, gefragt, ob er nicht einen tüchtigen Konstrukteur für den Serienwagenbau kennen würde. Die Empfehlung gilt Walter Häcker, der am 1. Oktober 1933 in Sindelfingen seine Stelle als Karosseriekonstrukteur antritt. Diese Berufsbezeichnung beinhaltet nicht nur die Gestaltung der Karosserie, sondern zugleich auch deren konstruktive Umsetzung – die Trennung von Design und Konstruktion gibt es damals nicht.
Häckers wichtigste Konstruktionen vor dem Zweiten Weltkrieg sind die Mercedes-Benz Typen 170 V (Baureihe W 136), 170 H (W 28), 230 (W 143 und W 153), 290 (W 18) sowie 320 (W 142) – eine bis heute wenig bekannte Tatsache. Denn Häcker, geschätzt bei Mitarbeitern und in der Familie wegen seiner ruhigen besonnen Art, pflegt eine sehr bescheidene und zurückhaltende Außendarstellung seiner Person.
Nachdem Häcker während des Zweiten Weltkriegs mit Aufbauten für Heeresfahrzeuge beschäftigt ist, wird er 1950 von Haspel als Chefkonstrukteur für Pkw-Aufbauten eingesetzt. In dieser Tätigkeit verantwortet er auch die Serienkarosserie des Mercedes-Benz 190 SL (W 121 I), gleichfalls eine wenig bekannte Tatsache. Das Fahrzeug wird 1954 präsentiert und kommt ein Jahr später in den Verkauf, mit deutlichen Designänderungen im Vergleich zur ursprünglichen Version. Seine Gestaltung durch Häcker ist ein wesentlicher Baustein für den großen späteren Erfolg der SL-Baureihen. Denn gerade der Typ 190 SL verdankt als erster „Großserien-SL“ seinen großen Erfolg zu einem nicht geringen Maß der sehr gelungenen Karosserie.
Häcker, dem bereits 1937 Handlungsvollmacht verliehen worden ist, erhält ebenfalls 1950 Prokura für das Werk Sindelfingen. 1955 wird er Hauptabteilungsleiter für die Konstruktion von Pkw-Aufbauten und erhält den Titel eines Abteilungsdirektors. Während seiner Tätigkeit werden auf seinen Namen 120 Patente auf dem Gebiet der Karosseriekonstruktion erteilt. Man kann also insgesamt von einer sehr erfolgreichen Berufstätigkeit sprechen.
Am 30. September 1970 geht Häcker nach 37 Jahren bei Daimler-Benz in den Ruhestand. Er stirbt am 24. Dezember 1989 in seinem Wohnort Aidlingen.
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