1906: Die erste von einem Benzinmotor angetriebene Feuerspritze der Welt geht in Betrieb
Stuttgart
02.11.2006
  • Pionierarbeit der SAG in Gaggenau
  • Leistung bis 40 PS
Vor 100 Jahren wurde die erste von einem Benzinmotor an-getriebene Feuerlösch-Gasspritze der Welt geliefert. Am 1. Dezember 1906 ging sie in Berlin-Grunewald in Betrieb. Es handelte sich um einen Dreitonner mit Vierzylindermotor, den die Süddeutsche Automobilfabrik Gaggenau (SAG) gebaut hatte, die wenig später in den Benz-Werken aufging.
„Die Benzwerke Gaggenau sind die erste Fabrik gewesen, die ein Feuerwehr-Fahrzeug mit Explosions-Motorantrieb geliefert haben und nehmen auch heute noch die erste Stelle ein, nicht nur nach Zahl der ausgeführten Lieferungen, sondern auch an Betriebs-Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges selbst“, heißt es rückblickend in einem Prospekt der Benz-Werke, der zur Hygiene-Ausstellung 1914 in Stuttgart erschien. Seit die Feuerspritze am 1. Dezember 1906 in Berlin angekommen war, hatte sich einiges ereignet: Die erst 1905 gegründete SAG war bereits 1907 in eine Krise geraten und firmierte ab 1. Januar 1911 offiziell als Benz-Werke Gaggenau GmbH. Unter den automobilen Feuerwehrfahrzeugen hatte sich der Benzin- gegenüber dem Elektro- und Dampfantrieb allmählich durchgesetzt.
Elektroantrieb bildet starke Konkurrenz
1906 stellte sich die Situation noch ganz anders dar: Der erste automobile Löschzug überhaupt, bestehend aus zwei elektrisch betriebenen Fahrzeugen und einer Dampfspritze, war erst 1902 in Hannover in Betrieb gegangen. Der verantwortliche Branddirektor, Maximilian Reichel, war inzwischen von Hannover nach Berlin gewechselt und interessierte sich für die neuartigen Radnabenmotoren nach dem System Lohner-Porsche, welche die Daimler-Motoren-Gesellschaft ab 1906 im Angebot führte. Das System hatte der junge Ferdinand Porsche erfunden, der seit 1899 bei Jacob Lohner in Wien und ab 1905 dann bei Austro-Daimler beschäftigt war.
Es ist wohl kein reiner Zufall, dass sich ausgerechnet die Freiwillige Feuerwehr Grunewald als Erste in Deutschland für den Benzinmotor interessierte. Befanden sich doch unter den wohlhabenden Bewohnern des Villenvororts nicht wenige stolze Automobilbesitzer. Unter diesen warb der Feuerwehrkommandant Ratig um Zuwendungen für den Erwerb einer benzingetriebenen Feuerspritze. Bereits 1901 hatte die Freiwillige Feuerwehr ein Motordreirad und 1905 schließlich auch einen Personenwagen mit Geräteanhänger beschafft. Die Süddeutsche Automobilfabrik war wiederum in Berlin nicht unbekannt. Sie hatte erst im Vorjahr einen Großraumbus für 52 Fahrgäste in die Hauptstadt geliefert.
Gute Beziehungen zwischen Gaggenau und Berlin
2,43 Tonnen wog die Feuerspritze, welche die SAG ab 1907 als „Type Grunewald“ vertrieb. Hinter dem Fahrersitz fanden auf zwei längs, Rücken zu Rücken angeordneten Sitzbänken sechs Feuerwehrleute Platz. Dahinter befand sich der Tank für die Gasspritze sowie mehrere Schlauchtrommeln und anderes Gerät. Drei Motorisierungsvarianten von 22, 32 oder 40 PS waren lieferbar, je nach Leistung kostete das Fahrzeug 14 000, 14 500 oder 15 000 Mark. Eine Kette übertrug die Kraft auf die doppelt vollgummibereiften Hinterräder. Die Vorderräder waren mit 850 x 125 Millimeter großen Pneumatikreifen bestückt. Nach Herstellerangaben erreichte die Feuerspritze eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h und ein Steigungsvermögen von 16 Prozent.
„Wir wurden zum Bau von Automobilspritzen dadurch veranlasst, daß weder die auf Pferdebetrieb angewiesenen Dampfspritzen noch die elektrischen Spritzen einen genügenden Aktionsradius hatten und in einer benachbarten Großstadt nach einem zweimaligen Ausrücken am gleichen Tage beim dritten Feuer versagten und der Haferkrippe oder der elektrischen Füllstation bedurften“, schreibt die SAG drei Jahre später in einem eigens gedruckten Prospekt zu einem
„Großfeuer in Karlsruhe“, bei dem die Dampfspritze ihre Leistungsfähigkeit erstmals im Ernstfall unter Beweis stellen konnte. „Wir haben bei unserer Spritze eine dreifache Verwendbarkeit leicht durchführen können“, heißt es weiter, „sodaß dieselbe ersetzt: 1. Gasspritze, 2. Mannschafts- und Gerätewagen, 3. Dampfspritze.“
Bis 50 Meter Höhe reicht der Strahl
Der Prospekt beruft sich ferner auf das Abendblatt der Badischen Presse, das am 15. Dezember 1909 vermeldet: „Eine ganz hervorragende Leistung hat bei dem Brande die neue Automobil-Feuerspritze vollbracht. Die Spritze ist infolge ihrer schnellen automobilen Fortbewegung und Inbetriebsetzung dazu bestimmt, als Erste auf dem Brandplatze zu erscheinen und dortselbst Löschungsarbeiten zu übernehmen, bis es gelungen ist, die anderen Spritzen an Ort und Stelle zu schaffen und in Tätigkeit zu setzen. Die Automobil-Feuerspritze, die mit einem Gaggenau-Motor ausgerüstet ist, war gestern bezw. heute Morgen ununterbrochen von ¾ 11 – ¾ 5 Uhr in Betrieb und schleuderte das ihr zugeführte Wasser in vier gewaltigen Schlauchleitungen mit einem Druck von 6 – 7 Atmosphären (Strahlhöhe ca. 40 – 50 m) in das wütende Element.“
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