Die Historie der Mercedes-Benz SL-Klasse
Stuttgart
10.01.2012
Die neue Offenheit: Mercedes-Benz 300 SL Roadster der Baureihe W 198 II (1957-1963)
  • Abschied von den Flügeltüren
  • Hardtop auf Wunsch
  • Verbesserungen bei Fahrwerk und Motor
Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1957 stellt Mercedes-Benz als Nachfolger des Flügeltüren-Coupés den 300 SL als Roadster vor. Maximilian E. Hoffman hatte dieses Fahrzeug von vornherein für den US-Markt gefordert, er sah dort für einen offenen Wagen größere Absatzchancen als für ein Coupé. Technisch entspricht der Roadster weitgehend dem Coupé, durch Modifikation der Seitenteile des Gitterrohrrahmens kann die Einstiegshöhe so weit reduziert werden, dass sich normale Türen realisieren lassen. Grundlegend verbessert ist die Hinterrad-Aufhängung: Die bereits vom Typ 220 a bekannte Eingelenk-Pendelachse mit tief gelegtem Drehpunkt ist in angepasster Form nun auch beim 300 SL Roadster eingebaut und wird erstmals mit einer Ausgleichsfeder versehen. Gegenüber der ursprünglichen Pendelachse des Flügeltüren-Coupés ergibt das deutlich verbesserte Fahreigenschaften.
Ab Oktober 1958 gibt es als Sonderausstattung ein abnehmbares Coupé-Dach, das zum Preis von 1.500 DM lieferbar ist und auf Wunsch auch nachträglich montiert werden kann. Bemerkenswert sind das weit herumgezogene Heckfenster und die stilistisch gelungene Gestaltung des Hardtops. Von den technischen Änderungen, die im Laufe von sechs Jahren in die Produktion einfließen, sind zwei besonders erwähnenswert: Im März 1961 erhält der 300 SL Dunlop-Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern, und ab März 1962 wird ein modifizierter Motor mit Leichtmetall-Motorblock eingebaut.
Eine Sonderausführung des 300 SL Roadster ist der für die Teilnahme an der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft in zwei Exemplaren gebaute 300 SLS. Hintergrund dieser Sonderanfertigung ist der Wunsch, nach dem Produktionsanlauf des Roadsters werbewirksam an Rennen in den USA teilzunehmen, um den Verkauf des Roadsters zu fördern. Der Verwendung der regulären Serienversion steht damals die Ablehnung des „Sports Car Club of America“ entgegen, den neuen Typ schon für die Saison 1957 in der „Standard Production“-Kategorie zuzulassen. Um in der einzigen alternativ möglichen Rennsport-Kategorie D nicht chancenlos zu sein, wird der serienmäßige Roadster nach allen Regeln der Kunst zum SLS abgespeckt.
Äußerlich ist der 300 SLS an den fehlenden Stoßstangen, einer speziell geformten Cockpitabdeckung mit Lufteinlassschlitz, der schmalen Renn-Windschutzscheibe und dem Überrollbügel hinter dem Fahrersitz zu erkennen. Die in der Daimler-Benz Versuchsabteilung durchgeführten Arbeiten sind erfolgreich: Paul O’Shea gewinnt die amerikanische Sportwagenmeisterschaft in der Kategorie D mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz.
Die Produktion des 300 SL läuft zeitgleich mit dem Bau des 190 SL am 8. Februar 1963 in Sindelfingen aus. Dieses Datum markiert das Ende einer Epoche: Nachdem im März 1962 bereits die Produktion des Typ 300 eingestellt worden war, verschwindet nun mit dem 300 SL das letzte Pkw-Modell mit separatem Rahmen aus dem Produktionsprogramm von Mercedes-Benz. Beide Versionen des 300 SL, Roadster und Flügeltüren-Coupé, sind von Anfang an ausgesprochene Liebhaberfahrzeuge und haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren; sie gehören seit Jahren zu den gesuchtesten und bestnotierten Klassikern.
Technische Highlights des Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198 II)
  • Einführung von Dunlop-Scheibenbremsen und Leichtmetall-Motorblock
  • Hinterrad-Aufhängung mit Eingelenk-Pendelachse
  • Abnehmbares Coupé-Dach auf Wunsch
Produktionszahlen
Typ
Konstruktions- bezeichnung
Produktionszeit Vorserie bis Ende
Stückzahl
300 SL Roadster
W 198 II
1957-1963
1.858*
* Roadster und Roadster mit Coupé-Dach.
Ihr Presse-Kontakt
Birgit
Pillkahn
Redaktion & Themenmanagement Mercedes-Benz Classic
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