Die Historie der Mercedes-Benz SL-Klasse
Stuttgart
10.01.2012
18 Jahre Bauzeit: Mercedes-Benz SL der Baureihe R 107 (1971-1989)
  • In 18 Jahren Bauzeit entstehen insgesamt 237.287 offene Zweisitzer
  • Die Motoren werden immer wieder auf den neusten Stand gebracht
  • Parallel zur offenen Version sind bis 1981 die Coupés der SLC-Reihe erhältlich
  • Erster SL mit Achtzylindermotor
Im April 1971 rollt ein neuer SL auf die Straße, der Mercedes-Benz 350 SL. Erstmals in der Geschichte der Modellreihe arbeitet unter der lang gestreckten Motorhaube ein Achtzylinderaggregat. Von allen Seiten zeigt er sich als starkes, selbstbewusstes und repräsentatives offenes Fahrzeug, dem seine Väter ein nicht minder gelungenes, abnehmbares Coupédach mit auf den Weg geben. Neben Eleganz und Qualität strahlt die Karosserie auch Sicherheit aus, denn das Crashverhalten des Zweisitzers ist seiner Zeit weit voraus.
Schwierige Entscheidung
Die Entscheidung zur Serienfertigung der Baureihe R 107 (erstmalswird eine SL-Baureihe intern mit dem Buchstaben „R“ wie Roadster abgekürzt statt mit „W“ wie Wagen) fällt der Vorstand nach heftigen Debatten am 18. Juni 1968. Strittig ist gewesen, ob es statt der Variante mit Stoffdach nicht eine Targa-Ausführung geben soll, also mit einem herausnehmbaren Dachteil; denn aus den USA kommen wegen erhöhter Sicherheitsstandards alarmierende Nachrichten bezüglich der Zulassung offener Autos. Es ist dem damaligen Entwicklungschef Hans Scherenberg zu verdanken, dass dann doch die Entscheidung zugunsten des offenen Zweisitzers mit Stoffdach und zusätzlichem abnehmbarem Hardtop fällt, er kämpft vehement dafür: „Der SL hat mir viel Freude, aber auch viel Mühe gemacht. Das haben wir uns nicht leicht gemacht“, so sein Resümee über die entscheidende Sitzung.
Die Geschichte des Roadsters ist eng verbunden mit dem der damaligen Coupés. Denn die Coupéfrage steht nach wie vor im Raum; sie wird nicht an diesem Tag entschieden. Diskutiert wird vor allem, ob auf Basis der Baureihe R 107 und somit bald zusätzlich ein viersitziges Sportcoupé entstehen soll oder ob man damit noch wartet, um es auf der kommenden S-Klasse (W 116) aufzubauen. Dann jedoch wäre ein Serienmodell erst wesentlich später gekommen, nämlich Mitte der 1970er-Jahre. Karl Wilfert, seinerzeit Leiter der Karosserie-Konstruktion in Sindelfingen, entwickelt – ziemlich eigenmächtig – ein Coupé auf R-107-Basis, das er eines Tages dem Vorstand als „Rohling“ präsentiert. Zunächst abgelehnt, schafft es Wilfert mit der ihm eigenen Beharrlichkeit, seine Idee vom Sportcoupé durchzusetzen.
So folgt dem neuen SL schon ein halbes Jahr nach dessen Premiere im Oktober 1971 ein bequemes viersitziges Sportcoupé, der Typ 350 SLC, dessen eigenwillige Linie im Laufe der Jahre ebenfalls Freunde in aller Welt findet. Die Baureihe trägt die interne Bezeichnung C 107 („C“ wie Coupé). Bis zur Windschutzscheibe entspricht das Aussehen dem der offenen Variante, dahinter wachsen Höhe und Länge. Über dem viersitzigen Fahrgastabteil streckt sich in sanfter Rundung das flache Dach, das in eine großzügige, in zwei Richtungen gewölbte, sehr schräg stehende Heckscheibe mündet. Der Kofferraumdeckel hat im Gegensatz zum SL eine leicht konvexe Kontur.
In der Seitenansicht wird die Länge des Coupés erstens durch den um 360 Millimeter längeren Radstand (2820 gegenüber 2460 Millimeter) dokumentiert, zweitens durch die Linie der Seitenscheiben, die ohne störende B-Säulen voll versenkbar sind, wie bei einem Mercedes-Benz Coupé üblich. Der cW-Wert des SLC ist besser als der des SL, sodass das Coupé trotz eines Mehrgewichts von rund 50 Kilogramm die gleichen Fahrleistungen erreicht. Besonders bemerkenswert ist, dass es seiner Einstufung als „Sportcoupé“ alle Ehre machte, denn mit ihm siegt Mercedes-Benz bei zahlreichen Rallyes und Langstreckenrennen.
Sicherheit als Programm
Béla Barényis Sicherheitskonzept mit Knautschzonen vorne und hinten sowie der gestaltfesten Fahrgastzelle findet weiterentwickelt in der Baureihe 107 ihren Niederschlag. Das Rückgrat des R 107 ist nicht einfach nur eine verkürzte und verstärkte Limousinen-Bodengruppe wie beim Vorgänger, sondern eine eigenständige Rahmenbodenanlage mit geschlossenem Kardantunnel sowie kastenförmigen Quer- und Längsträgern, deren Besonderheit in unterschiedlichen Blechstärken liegt und dem daraus resultierenden, sorgsam definierten Knautschverhalten.
Der SL soll unter allen Umständen ein offener Wagen sein. So bieten bei einem eventuellen Überschlag einzig die A-Säulen samt Windschutzscheibe das Sicherheitspotenzial. Sie werden von Grund auf neu entwickelt und erbringen eine um 50 Prozent höhere Festigkeit als die bisher gebaute Version. Zudem wird die Windschutzscheibe für eine erhöhte Festigkeit in den Rahmen eingeklebt. Das ergibt eine beachtliche Widerstandskraft beim Dachfalltest, womit der offene Wagen auch ohne Targabügel die Zulassung für die USA erhält. Konsequenter Weise ist die Heckscheibe im Hardtop ebenfalls geklebt.
Selbst im Innenraum gibt es richtungweisende Neuerungen. Das harte Armaturenbrett weicht einer ausgeklügelten Blechkonstruktion und ist sowohl im oberen als auch im Kniebereich stoßnachgiebig und schaumgepolstert. Schalter und Hebel sind versenkt angeordnet. Ebenfalls neu ist das Vier-Speichen- Lenkrad, frisch nach den Erkenntnissen der Unfallforscher gestaltet. Geblieben ist der schon bewährte Pralltopf, aber Lenkradkranz, Speichen, Polsterplatte und Nabe sind mit Polyurethan umschäumt. Der Sicherheit dient auch, dass der Kraftstofftank nicht mehr im Heck, sondern kollisionsgeschützt über der Hinterachse eingebaut ist. Ab März 1980 steht das Anti-Blockier-System ABS im Angebot, ab Januar 1982 auch Airbag und Gurtstraffer.
Auf Anhieb ein Bestseller
Aber nicht die Sicherheitsaspekte sind es, welche die Kunden in aller Welt bewegen, in aller Eile nach dem neuen SL zu greifen. Es ist das Angebot eines rundum gelungenen offenen Automobils, in den USA ist der Sportwagen sogar über mehrere Jahre hinweg das einzige dort angebotene Fahrzeug seiner Art. Seine markante Front mit dem dominanten SL-Gesicht, den Breitband-Scheinwerfern und geriffelten Blinkerabdeckungen wirkt kraftvoll, die Linie der niedrigen Silhouette ist offen, geschlossen und mit Hardtop harmonisch, und der einen Hauch nach innen gewölbte Kofferraumdeckel inklusive des ebenfalls konkav gewölbten Hardtops erinnern an „Pagoden“-Zeiten. Die Breitband-Rückleuchten sind mit ihrer gerippten Oberfläche nicht nur weitgehend schmutzunempfindlich, sondern geben dem Heck zudem einen kräftigen Touch.
Dem Komfort und der Bedienungsfreundlichkeit höchst zuträglich ist das leicht und schnell zu bedienende Verdeck, eine verfeinerte Konstruktion der „Pagoden“-Ausführung. Nur 30 Sekunden dauert das Öffnen oder Schließen. In gefaltetem Zustand verschwindet es, wie bei der SL-Reihe mittlerweile üblich, unter einer Abdeckung.
Eine Reihe von Details unterstreicht den Sicherheitsanspruch des Autos. Die Sitze gibt es von Anfang an mit Kopfstützen, und Sicherheitsgurte gehören ebenfalls dazu. Für Wohlbefinden und Konditionssicherheit sorgt die sehr spontan reagierende Heizung, unterstützt von einer neuartigen Luftführung an den Türen. Gute Sichtverhältnisse ermöglichen neu entwickelte Windleitprofile an den A-Säulen, die bei Regen als Schmutzwasserrinnen dienen, sowie schmutzabweisende Verkleidungen an den Außenspiegeln; so werden die Seitenscheiben auch bei ungünstiger Witterung sauber gehalten. Die in Wagenmitte eng nebeneinander angeordneten Scheibenwischer bestreichen beachtliche 70 Prozent der Scheibenfläche, liegen stets optimal im Luftstrom und heben auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht ab.
Motoren mit Katalysator
In seiner so nicht geplanten, aber letztlich sehr erfolgreichen 18-jährigen Bauzeit erhält der R 107 eine ganze Reihe von Sechs- und Achtzylindermotoren. Entsprechend vielfältig sind seine Modellbezeichnungen. Die Achtzylinder-Typen werden vom Typ 350 SL (1971 bis 1980) angeführt, dessen 3,5-Liter-Motor (M 116) bereits aus den Baureihen W 108, W 109 und W 111 bekannt ist. Seine 147 kW (200 PS) bei 5800/min verhelfen dem immerhin 1600 Kilogramm wiegenden Sportwagen zu einem Spurt von null auf 100 km/h in 9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Der Typ 350 SLC erreicht die identischen Werte.
Von Herbst 1971 an wird außerdem zunächst der Typ 450 SL für den US-Markt gebaut, dessen Motor M 117 in den US-Ausführungen 132 kW (180 PS) für Kalifornien und 140 kW (190 PS) für die übrigen Staaten entwickelt, ab 1973 in der Europa-Ausführung 165 kW (225 PS) bei 5000/min. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 215 km/h, und von null auf 100 km/h gelangt er in 8,8 Sekunden. 1972 folgt die entsprechende Coupé-Ausführung vom Typ 450 SLC mit identischem Motor und identischen Fahrleistungen. Beide sind vor März 1973 zunächst ausschließlich für den Export nach Nordamerika bestimmt, danach im allgemeinen Verkaufsprogramm.
Im Juli 1974 wird das SL-Typenprogramm erweitert: Nun sind SL und SLC als Typen 280 SL und 280 SLC nun auch mit dem 2,8-Liter- Motor M 110 erhältlich. Er leistet 136 kW (185 PS) bei 6000/min und hat sich in der „Strich-Acht“-Baureihe W 114/115 sowie in der S-Klasse der Baureihe W 116 seit zwei Jahren bewährt. Die Fahrleistungen beider Typen sind identisch: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 205 km/h, der Sprint von null auf 100 km/h ist in 10,1 Sekunden möglich.
Damit stehen drei SL-Motorisierungen zur Auswahl. Das ist aus heutiger Sicht nichts Außergewöhnliches, doch seinerzeit ein Novum in der Geschichte dieser Typenklasse. Zu unterscheiden sind die drei Varianten nur für den aufmerksamen Betrachter: Der Typ 280 SL ist an seinen schmaleren Reifen im Vergleich zu den Typen 350 SL und 450 SL zu erkennen. Der Typ 450 SL hat zudem einen unscheinbaren Frontspoiler, der am hinteren unteren Ende der Bugschürze angebracht ist und den Luftdurchsatz des Kühlers deutlich erhöht.
Zwischen November 1975 und Februar 1976 wird die Kraftstoff-Einspritzanlage aller drei Motoren umgestellt, um den mittlerweile auch in den meisten europäischen Ländern verschärften Emissions-Grenzwerten besser zu entsprechen. Von der elektronisch geregelten Bosch D-Jetronic wechselt man zur neu entwickelten mechanisch geregelten Bosch K-Jetronic. Die Umstellung ist in allen drei Fällen mit geringfügigen Leistungseinbußen verbunden, beim Typ 280 SL auf 130 kW (177 PS) bei 6000/min, beim Typ 350 SL auf 143 kW (194 PS) bei 5500/min und beim Typ 450 SL auf 160 kW (218 PS) bei 5000/min.
Beim 2,8- und beim 3,5-Liter-Motor senkt man gleichzeitig geringfügig die Verdichtung. Der 3,5- und der 4,5-Liter-Motor erhalten im Rahmen dieser Maßnahmen zudem zur Wartungserleichterung eine kontaktlose Transistorzündung sowie einen hydraulischen Ventilspiel-Ausgleich. Beim 2,8-Liter-Aggregat wird die Verdichtung im April 1978 wieder auf den alten Wert erhöht. Mit einigen flankierenden Maßnahmen wird dann auch das frühere Leistungspotenzial von 136 kW (185 PS) wieder erreicht, freilich jetzt bereits bei 5800/min.
Im September 1977 stellt Mercedes-Benz den Typ 450 SLC 5.0 mit einem auf fünf Liter aufgebohrten V8-Motor (M 117) vor. Eine verborgene Innovation ist das erstmals zur Anwendung gekommene übereutektische Verfahren zur Zylinderlaufbahn-Bearbeitung, ein spezielles Schmelzverfahren von Metalllegierungen, welches das Einziehen von Laufbuchsen überflüssig macht. Der Motor bietet eine Leistung von 177 kW (241 PS) bei 5000/min, was gut ist für eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 8,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Motor- und Kofferraumhaube des Fahrzeugs bestehen aus Aluminium, zudem hat es serienmäßig Leichtmetallfelgen. Äußerlich erkennbar ist der 450 SLC 5.0 unter anderem an einem schmalen Spoiler am Heck.
Überarbeitung der Baureihe
Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1980 präsentiert Mercedes-Benz den SL und SLC in aktualisierter Form. Die Innenausstattung einschließlich Lenkrad ist den Limousinen der S-Klasse der Baureihe 126 angeglichen und auch die Technik ist auf den gleichen Stand gebracht. Die seitherige Dreigang-Wandler-Automatik wird durch eine Viergang-Variante ersetzt. Die Typen 280 SL und 280 SLC erhalten ein Fünfgang-Schaltgetriebe in der Grundausstattung. Zudem gehört jetzt das Hardtop zum serienmäßigen Lieferumfang der offenen Variante. Vor allem halten jedoch die Leichtmetall-Achtzylindermotoren der S-Klasse der Baureihe 126, leicht abgewandelt, in der Baureihe 107 Einzug. Unverändert im Programm bleibt der Sechszylindermotor des Typ 280 SLC.
Der neue Typ 500 SL, ausgerüstet mit dem vom Typ 450 SLC 5.0 bekannten 5,0-Liter-V8-Motor (M 117), löst den Typ 450 SL ab und bietet eine Leistung von 177 kW (241 PS) bei 5000/min. Das verhilft dem neuen Spitzenmodell zu einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 7,8 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h.
In den Ruhestand geschickt werden nach neunjähriger Produktionszeit die Typen 350 SL und 350 SLC; als Nachfolger fungieren 380 SL und 380 SLC, deren 3,8-Liter-Leichtmetallmotor (M 116) mit 160 kW (218 PS) bei 5500/min nach dem Vorbild des 5-Liters aus dem altgedienten 3,5-Liter-V8 mit Graugussblock durch Aufbohren entstanden ist. Beide erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h, für den Sprint von null auf 100 km/h benötigen sie 9 Sekunden. Außer am Typenschild sind äußerlich kaum Unterschiede zu den Vorgängermodellen erkennbar. Alle drei SL-Typen haben nun eine Leichtmetall-Motorhaube und den vom Typ 450 SLC 5.0 bekannten dezenten Frontspoiler; der Typ 500 SL erhält außerdem den Leichtmetall-Kofferraumdeckel mit schwarzem Kunststoff-Heckspoiler, wie er ebenfalls bereits vom Fünfliter-Coupé bekannt ist.
Zum Herbst 1981 werden beide V8-Motoren im Rahmen des „Mercedes-Benz Energiekonzepts“ zur Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung gründlich überarbeitet. Die Maßnahmen umfassen, neben einer Erhöhung der Verdichtung, Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten, luftumspülte Einspritzventile und eine elektronische Leerlaufregelung. Durch die geänderte Nockenwellenabstimmung kann das Drehmomentmaximum hin zu niedrigeren Drehzahlen verschoben und im Falle des 3,8-Liter-Motors sogar erhöht werden. Dieses Aggregat erfährt besonders tiefgreifende Änderungen: Um ein günstigeres Volumen-Oberflächenverhältnis zu erhalten, werden die Bohrung reduziert und der Hub erhöht. Der modifizierte 3,8-Liter-V8 hat damit einen geringfügig vergrößerten Hubraum. Bei beiden Achtzylindern müssen, gewissermaßen als Ausgleich für die verbesserte Wirtschaftlichkeit, geringe Leistungseinbußen in Kauf genommen werden: beim Typ 380 SL auf 150 kW (204 PS) bei 5250/min und beim Typ 500 SL auf 170 kW (231 PS) bei 4750/min. Die Hinterachsübersetzung wird, wie auch in der Baureihe 126, der veränderten Motorcharakteristik angepasst und verlängert, beim Typ 380 SL von 3,27 auf 2,47 und beim Typ 500 SL von 2,72 auf 2,24.
Für die SLC-Coupés kommen diese Maßnahmen allerdings zu spät:
Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main im September 1981 werden außer dem „Mercedes-Benz Energiekonzept“ auch die Typen 380 SEC und 500 SEC der Baureihe C 126 präsentiert, welche die seit genau zehn Jahren gebauten SLC-Modelle in den Ruhestand schicken. An eine Ablösung der SL-Typen ist dagegen auch nach zehnjähriger Produktionszeit nicht zu denken. Vier Jahre nach der Präsentation des Energiekonzepts kommt sogar noch eine umfangreiche Modellpflege, und so wird im September 1985, wiederum auf der IAA, ein komplett überarbeitetes SL-Typenprogramm vorgestellt. Eine umstrukturierte Motorenpalette steht dabei im Vordergrund. Daneben gibt es ein dezentes Facelifting, primär erkennbar am Frontspoiler und den Rädern mit Aluminiumfelgen (Durchmesser: 38,10 Zentimeter). Die Vorderachse ist überarbeitet und die Bremsen sind mit Festsattel-Bremszange vergrößert. Um das Schiefziehen beim Bremsen zu unterbinden, ist der Lenkrollradius vermindert.
Eine umfangreiche Modellpflege
Alle Motoren werden in zwei Ausführungen angeboten, mit Abgaskatalysator und etwas geringerer Leistung sowie als sogenannte RÜF-Version (Rückrüstfahrzeug) ohne Katalysator. Die RÜF-Versionen lassen sich nachträglich, etwa wenn die flächendeckende Versorgung mit bleifreiem Benzin sichergestellt ist, mit einem Katalysator ausrüsten und sind hinsichtlich Zündung, Elektronik und Kabelsatz darauf vorbereitet.
Ein neu konstruierter 3,0-Liter-Sechszylindermotor (M 103), der im Typ 300 E der Mittelklasse-Baureihe W 124 neun Monate zuvor seinen ersten Auftritt hatte, ersetzt den altbewährten 2,8-Liter- Motor, wie zuvor schon bei der entsprechenden S-Klasse Limousine. Somit läuft der Typ 280 SL aus, und es gibt nach 22-jähriger Unterbrechung wieder einen Sportwagen mit der magischen Typenbezeichnung 300 SL. Er bietet bei 5700/min eine Leistung von 138 kW (188 PS) ohne Katalysator (Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h; null auf 100 km/h in 9,6 Sekunden) und 132 kW (179 PS) mit Katalysator (200 km/h; null auf 100 km/h in 9,9 Sekunden).
Neu im Programm ist der Typ 420 SL mit dem 4,2-Liter-V8-Motor (M 116), der bei 5200/min 160 kW (218 PS) ohne und 150 kW (204 PS) mit Katalysator bietet; er entsteht durch Übernahme der Bohrung des ursprünglichen 3,8-Liter-Motors in Kombination mit dem Hub des 3,8-Liter-Aggregats nach dem „Mercedes-Benz Energiesparkonzept“ und löst dieses nun im SL, in der S-Klasse Limousine und im SEC-Coupé ab. Der Typ 420 SL beschleunigt von null auf 100 km/h in 8,5 Sekunden (mit Katalysator: null auf 100 km/h in 9 Sekunden) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h (205 km/h).
Der 5,0-Liter-Motor (M 117) ist ebenfalls modifiziert; er hat jetzt mitHinblick auf den Katalysatorbetrieb eine elektronische Zündanlage und die elektronisch-mechanisch gesteuerte Einspritzanlage Bosch KE-Jetronic und entwickelt eine Leistung von 180 kW (245 PS) bei 4750/min. Mit Katalysator sind es 164 kW (223 PS) bei 4700/min. Diese Werte verhelfen dem Typ 500 SL zu einer Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h (mit Katalysator: 215 km/h) und einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 7,3 Sekunden (7,8 Sekunden).
Die spektakulärste Neuheit in der Motorenpalette ist ein 5,6-Liter-Achtzylinder (M 117), der aus dem 5,0-Liter-V8 durch Verlängerung des Hubs entsteht und im SL eine Leistung von 170 kW (231 PS) bei 4750/min mobilisiert. Der Typ 560 SL bleibt den Exportmärkten USA, Australien und Japan vorbehalten. Mit einer Abgasreinigungsanlage in USA-Ausführung beträgt seine Höchstgeschwindigkeit 223 km/h, den Sprint von null auf 100 km/h legt er in 7,7 Sekunden hin.
Die Produktion der Baureihe R 107 endet im August 1989, mehr als 18 Jahre nach dem Serienanlauf des Typ 350 SL. Damit stellt diese SL-Baureihe einen hausinternen Rekord auf, der kaum mehr zu überbieten sein dürfte: Abgesehen von den Geländewagen der G- Klasse gibt es in der gesamten Geschichte des Hauses keine andere Pkw-Baureihe, die über einen derart langen Zeitraum produziert worden ist. Insgesamt entstehen in Sindelfingen 237.287 offene Fahrzeuge, eine Zahl, die den hohen Beliebtheitsgrad der Baureihe 107 eindrucksvoll demonstriert. Vom Coupé sind es von 1971 bis 1981 insgesamt 62.888 Stück.
Die Baureihe R 107 in der Presse
In einem ersten Test des Mercedes-Benz 350 SL schreibt „auto motor und sport“, Deutschland, Heft 9/1971: „ Als wesentliches Merkmal des 350 SL erwies sich der gute Federungskomfort, der durchaus mit Limousinen-Maßstäben gemessen werden kann: Bei langsamem und schnellem Fahren werden große Unebenheiten gut geschluckt und kleine so absorbiert, dass sie auch auf sehr schlechten Straßen nie störend in Erscheinung treten. “
Im Jahr 1986 vergleicht „Road & Track“, USA, Heft 11/1986, den bereits in seiner letzten Produktionsära befindlichen Mercedes-Benz 560 SL mit dem Cadillac Allanté und resümiert: „ Legendäre Qualität ist das wichtigste Pfund von Mercedes. Aber brillante Leistung und herausragendes ABS-Bremsen haben [das Fahrzeug] dieses Jahr aufgewertet. Cadillac hingegen bringt ein besseres Handling und größeren Luxus, kann aber bei Leistung und Qualität mit dem Mercedes nicht mithalten .“
Über den Mercedes-Benz 300 SL schreibt „auto motor und sport“, Deutschland, in Heft 5/1986: „Auch in Kurven zeigt der [über den neuen Motor] modifizierte SL ein Verhalten, das so gar nicht zu dem passt, wie man ihn gemeinhin einzuschätzen pflegt. Mit seiner exakten Servolenkung, sehr hohen möglichen Querbeschleunigungen und nunmehr nur geringen Lastwechselreaktionen bietet der betulich wirkende Langschnauzer ziemlich genau das, was man von einem reinrassigen Gran Turismo erwartet.“
Technische Highlights des Mercedes-Benz SL der Baureihe R 107
  • Weiterentwickelte Sicherheitskarosserie
  • Rahmenbodenanlage mit unterschiedlichen Blechstärken und einem daraus resultierenden sorgsam definierten Knautschverhalten
  • Stabiler Überschlagschutz: Hochfeste A-Säulen und Frontscheibenrahmen mit eingeklebtem Glas
  • Spezielle Luftführung an den Türen sorgt für geringe Verschmutzung der Seitenscheiben und Seitenspiegel
  • Kontaktlose Transistorzündung, Bosch K-Jetronic, hydraulischer Ventilspielausgleich (1975)
  • Erster SL mit Abgaskatalysator (1985)
Produktionszahlen Mercedes-Benz SL der Baureihe R 107 und SLC der Baureihe C 107
Typ
Konstruktions-bezeichnung
Produktionszeit Vorserie bis Ende
Stückzahl
Roadster:
 
 
 
280 SL
R 107 E 28
1974-1985
25,436
300 SL
R 107 E 30
1985-1989
13,742
350 SL
R 107 E 35
1971-1980
15,304
450 SL*
R 107 E 45
1971-1980
66,298
380 SL
R 107 E 38
1980-1985
53,200
420 SL
R 107 E 42
1985-1989
2,148
500 SL
R 107 E 50
1980-1985
11,812
560 SL**
R 107 E 56
1985-1989
49,347
Gesamtzahl
 
 
237,287
 
 
 
 
Coupés:
 
 
 
280 SLC
C 107 E 28
1974-1981
10,666
350 SLC
C 107 E 35
1971-1980
13,925
380 SLC
C 107 E 38
1980-1981
3,789
450 SLC*
C 107 E 45
1972-1980
31,739
450 SLC 5.0
C 107 E 50
1977-1980
2,769
500 SLC
C 107 E 50
1980-1981
***
Gesamtzahl
 
 
62,888
* Vor März 1973 nur für Export nach Nordamerika.
** Exportmodell für Nordamerika, Japan und Australien.
*** Stückzahl in 450 SLC 5.0 enthalten.
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