Nobel unterwegs: Mercedes-Benz Typ 320 (W 142, 1937 bis 1942)
Stuttgart
23.01.2012
  • Positioniert als Fahrzeug der oberen Klasse
  • Souveräne Fahrleistungen und hoher Komfort
  • Eine große Vielfalt von Karosserievarianten
Stuttgart – Der Mercedes-Benz Typ 320 (Baureihe W 142) erlebt seine Premiere auf der Internationalen Auto- und Motorrad-Ausstellung (IAMA) in Berlin im Februar 1937. Mit ihm schließt die Marke eine Lücke zwischen den Wagen der Mittelklasse und den Wagen größten Formats. So jedenfalls empfindet die renommierte „Allgemeine Automobil-Zeitung“ (AAZ) seinerzeit das Erscheinen des neuen 3,2-Liter-Wagens. Mit diesem Modell setzt Mercedes-Benz einen neuen Akzent in einer damals von großem Wettbewerb geprägten Fahrzeugklasse. Starke Mitstreiter sind traditionell Horch mit den Typen 930 V und 830 BL, Opel mit dem ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt neu erscheinenden Typ Admiral sowie Ford mit dem 3,6-Liter-V8.
Zunächst offeriert Mercedes-Benz zwei Radstände. Auf dem kurzen Radstand von 2880 Millimetern werden folgende Aufbauten angeboten:
Fahrgestell RM 6.500,–
Cabriolet A RM 11.800,–
Kombinations-Coupé mit abnehmbarem Dach RM 12.300,–
Auf größere Resonanz stößt bei den Kunden jedoch die Variante mit normalem Fahrgestell und 3300 Millimeter Radstand. Auf ihm sind folgende Aufbauten lieferbar:
Limousine mit 4 Türen und 4 Fenstern RM 8.950,–
Cabriolet B mit 2 Türen und 4 Fenstern RM 9.800,–
Cabriolet D mit 4 Türen und 4 Fenstern RM 1 0.400,–
Pullman-Limousine mit 4 Türen und 6 Fenstern RM 9.800,–
Cabriolet F mit 4 Türen und 6 Fenstern RM 12.500,–
Offener Tourenwagen mit 4 Türen und 6 Fenstern RM 9.900,–
Cabriolet A mit 2 Türen und 2 Fenstern RM 1 3.500,–
Roadster mit 2 Türen und 2 Fenstern (nur 1937) RM 13.500,–
Stromlinien-Limousine (bis 1938) RM 14.500,–
Fahrgestell RM 6.800,–
Der Mercedes-Benz 320 ist eine Weiterentwicklung des Typs 290 (W 18), der von 1933 bis 1936 angeboten wird. Dessen Motor M 18 bietet die bescheidene Motorleistung von zuletzt 68 PS (50 kW), die nur bedächtige Fahrleistungen ermöglicht. Bei der Überarbeitung des Motors für den Nachfolger stehen hohe Laufkultur und eine deutlich größere Motorleistung im Vordergrund, die zu erzielen sind, ohne das Konzept des seitengesteuerten Sechszylindermotors mit stehenden Ventilen zu verlassen.
Um die Motorleistung anzuheben, greifen die Untertürkheimer Motorenkonstrukteure unter Albert Heeß zu bekannten Methoden. Durch die Erweiterung der Bohrung von 78 auf 82,5 Millimeter wird der Hubraum von 2,9 Liter auf 3,2 Liter Hubraum erhöht. Um die Laufkultur des Motors weiter zu verbessern, wird die Kurbelwelle mit 12 Gegengewichten ausgestattet – eine Maßnahme mit durchschlagendem Erfolg. Ein weiterer Schritt zu mehr Leistung ist der Übergang von einem einfachen Steigstromvergaser zu einem Doppel-Fallstromvergaser. Aufgrund aller Maßnahmen steigt die Leistung auf 78 PS (57 kW). Der Fallstromvergaser führt außerdem zu einer spontaneren Gasannahme beim Beschleunigen.
Mit dem Übergang der Baureihe W 18 zur Baureihe W 142 erfolgt auch hier die Abkehr von den bisherigen Viergang-Getrieben, die eigentlich Dreigang-Getriebe mit einem nachgeschalteten Schnellgang sind, zu einem vollsynchronisierten Viergang-Getriebe mit einem direkt übersetzten vierten Gang – ein Getriebe, das in zeitgenössischen Urteilen wegen seines Schaltkomforts allgemeinen Beifall findet.
Das Fahrwerk wird komplett von der Baureihe W 18 übernommen und neu abgestimmt. Vorne besteht die Aufhängung der Räder aus einer besonderen Einzelradaufhängung, unten mit einer quer liegenden Blattfeder. Oben ist das Rad an einem Lenker befestigt, der sich innen auf eine Spiralfeder abstützt. Die hintere Zweigelenk-Pendelachse hat auf jeder Seite zwei hintereinander liegende Spiralfedern. Die unter dem Differenzial liegenden zwei Ausgleichsfedern im Typ 290 hat der Typ 320 nicht mehr. An Vorder- und Hinterachse sind je ein doppelt wirkender hydraulischer Hebelstoßdämpfer angebracht. Fahrkomfort und Fahrsicherheit des Fahrwerks werden von zeitgenössischen Testern sehr gelobt, zu einer Zeit, als viele Wettbewerber noch mit vorderen und hinteren Starrachsen unterwegs sind. Der Kastenrahmen mit Quertraversen entspricht damaliger Standardbauweise.
Mercedes-Benz bietet bei der Premiere des Typs 320 eine große Vielfalt von Karosserievarianten an. Die Version mit kurzem Radstand wird als Typ 320 n bezeichnet. Eine Besonderheit ist das darauf aufbauende sogenannte Kombinations-Coupé: ein Cabriolet mit einer frühen Ausgabe eines abnehmbaren Hardtops. Allerdings kann jeweils nur mit einer Dachversion gefahren werden, die andere muss in der Garage bleiben. Der Typ 320 n ist gedacht als kurze und sportlich-elegante Variante der Baureihe, ähnlich wie sechs Jahre zuvor der Typ Mannheim 370 S. Ungeachtet seiner sehr schön gezeichneten Karosserien erfüllt der 320 n wohl nicht die in ihn gesetzten Erwartungen, denn zwischen 1937 und 1938 werden nur 19 Exemplare im Werk Untertürkheim gebaut. In der Preisliste von Februar 1939 ist er nicht mehr enthalten. Auf dem verstärkten Chassis gleicher Abmessungen werden 1938 dann 202 Kübelwagen für die Wehrmacht gebaut.
Erfolgreich ist die Version mit langem Radstand. Die viertürige Limousine sowie das Cabriolet B und Cabriolet D haben von außen zugängliche Kofferräume. Die Kofferräume von Cabriolet A, Kombinations-Coupé sowie Roadster sind von innen zu beladen. Pullman-Limousine, Cabriolet F und Offener Tourenwagen haben keine Kofferräume. Das Gepäck wird auf einer ausklappbaren Gepäckbrücke untergebracht. Als Sonderausstattung gibt es auf den Brücken zu montierende Behältnisse zur Gepäckunterbringung.
Die Resonanz auf den Typ 320 ist überwiegend positiv. Er wird als bequemer, komfortabler und sicherer Reisewagen beurteilt, mit dem man bequem lange Strecken ohne Ermüdungserscheinungen zurücklegen kann. Eine besonders interessante Beurteilung erfolgt durch den stärksten Konkurrenten Horch. Deren Vertriebsleitung hatte sich Ende 1937 einen Mercedes-Benz Typ 320 und einen Maybach SW 38 zu Studienzwecken beschafft. Die Vertriebsleitung kommt über den Typ 320 zu folgendem Urteil: „Vorteile des 3,2 DB Sport-Cabriolets gegenüber unserem Sportcabriolet 930 V: Der 3,2-l-DB-Motor hat bereits nach den wenigen km eine bemerkenswerte Weichheit. Ebenso sind die Übergänge beim Beschleunigen in jedem Gang sehr elastisch und energisch, so daß allgemein der Eindruck vorherrscht, daß die DB-Maschine etwa bis zu einem Tempo von 60 km/h unserer 3,5-l-Maschine überlegen sein wird. Wir schätzen, daß die Spitze beider Motoren gleich ist. Der Leerlauf der DB-Maschine ist unserer Maschine wesentlich überlegen; denn der DB-Motor läuft vollkommen geräuschlos. Weiter fällt die leichtere Betätigung des Kupplungspedals auf. Was die Karosserie anbelangt, so liegt der Hauptvorteil beim Vergleich zu unserem Sportcabriolet in der völligen Versenkbarkeit sämtlicher Scheiben beim Daimler-Benz. Die Abdichtung der beiden hinteren Frontscheiben erscheint primitiver, ist aber dichter als bei uns. Die Art der Polsterung sowohl auf den vorderen als auch auf den hinteren Sitzen ist außerordentlich geschickt gelöst; man sitzt absolut fest. Nachteile: Das Cabriolet hat außerdem kleine und schlecht geschnittene Koffer sowie keine Kofferbrücke. Die Kotflügel sind billig ausgeführt. Der Lack hat nicht die Qualität des unsrigen, die Vordersitze sind enger als bei uns. Der Tankverschluss unter dem Kotflügel ist unpraktisch. Es fehlt ein Ölthermometer. Der Metallpfosten der geteilten Windschutzscheibe ist zu breit.“
Der Mercedes-Benz 320 (W 142) mit 3,4-Liter-Motor
Auf der IAMA im Februar 1939 stellt Mercedes-Benz den Typ 320 in einer überarbeiten Version vor. Dabei wird er mit dem größeren Motor bereits ab Herbst 1938 geliefert, ohne dass darauf besonders hingewiesen wird. Hintergrund ist die sich 1938 schon abzeichnende abnehmende Treibstoffqualität mit niedrigeren Oktanzahlen. Auch andere Fahrzeughersteller, wie etwa Maybach oder Horch, greifen zu ähnlichen Maßnahmen, um die Motorleistung halten zu können.
Die Zylinderbohrung wird auf 85 Millimeter vergrößert, sodass nun ein Hubraum von 3405 Kubikzentimetern zur Verfügung steht. Leistungs- und Drehmomentwerte bleiben unverändert.
Die Neuerung besteht aus einem zusätzlichen Schnellganggetriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen, genannt „ZF-Ferngang“. Dieses zu jedem Gang über einen separaten Hebel zuschaltbare Getriebe reduziert die Drehzahl um 26 Prozent und ist hauptsächlich für längere Autobahnfahrten zum Senken der Drehzahl und des Treibstoffverbrauchs gedacht.
Neben den nicht mehr angebotenen Karosserien der Stromlinien-Limousine und des Roadsters ist die auffallendste Neuerung beim neuen Modell der integrierte Kofferraum bei der Pullman-Limousine – nicht nur eine sachliche, sondern auch eine gestalterische Bereicherung.
Die letzten Fahrzeuge des Mercedes-Benz Typ 320 werden 1942 gebaut, er entsteht in den Werken Untertürkheim und Mannheim. Die Produktion beträgt zwischen 1937 und 1942 insgesamt 6861 Fahrzeuge, davon 1764 Kübelsitzwagen für die Wehrmacht.
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