Der Unimog von Mercedes-Benz – der Erfolg einer Idee
Stuttgart
23.05.2011
Von 1945 bis 1951: Der Unimog, ein Kind von vielen Eltern
  • 1945: Erste Pläne und Skizzen zum Unimog
  • 1948: Öffentliche Vorstellung, Beginn der Fertigung
  • 1950: Übernahme des Unimog-Geschäfts durch Daimler-Benz

Die Geschichte des legendären Unimog beginnt so abenteuerlich wie auch die Zeit ist, in der dieses ungewöhnliche Automobil zur Welt kommt. Sein Erfinder ist Albert Friedrich, ehemaliger Leiter der Flugmotoren-Konstruktion der damaligen
Daimler-Benz AG. Er hatte sich schon während des Zweiten Welt­kriegs mit der Idee einer kompakten Arbeitsmaschine beschäftigt. Unmittel­bar nach Kriegsende beginnt Friedrich 1945 mit der Entwicklung des Unimog. Gedacht als landwirtschaftliches Fahrzeug soll es sich jedoch ganz erheblich von klassischen Traktoren unterscheiden. Als Partner für die Entwicklung des neuen Fahrzeugs findet der Ingenieur unter anderem seinen ehemaligen Mitarbeiter Heinrich Rößler, früher auch in der Pkw- und Motoren-Entwick­lung von Daimler-Benz beschäftigt. Die Sache passt, denn Rößler schlägt sich seit Kriegsende als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft durch und kann daraus viele Erfahrungen einfließen lassen.
Ursprünglich eine landwirtschaftliche Arbeitsmaschine
Erste Zeichnungen Friedrichs zeigen ein „Motorgetriebenes Universalgerät für die Landwirtschaft“, die Bezeichnung Unimog gibt es noch nicht. Allradantrieb und vier gleich große Räder kennzeichnen das schlichte Fahrzeug, das mit 25 PS (18 kW) als Schlepper, zum Antrieb landwirtschaftlichen Geräts, stationärer Maschinen und als Lieferfahrzeug für die Agrarwirtschaft gedacht ist; an die vielfältigen späteren Einsatzmöglichkeiten denkt in der Nachkriegszeit noch niemand. Sechs Gangstufen bis 50 km/h sind geplant, Antrieb für Geräte vorn, Zugeinrichtung hinten, Laderaum in der Mitte. Alles zusammen ein simples, aber trotzdem ungewöhnliches und einzigartiges Konzept.
Friedrich knüpft Kontakte zur damaligen amerikanischen Besatzungsmacht und erwirbt bereits im Oktober 1945 eine der seltenen „Production Orders“, also eine Erlaubnis zur Fertigung. Als Partner für Entwicklung und Produktion ist die Firma Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd ausersehen, eine Gold- und Silberwarenfabrik.
Spurbreite wie zwei Kartoffelreihen
Die Konstrukteure denken praktisch: Die Spurweite von 1270 mm entspricht zwei Kartoffelreihen. Zahlreiche Merkmale machen das neue Fahrzeug einzig­artig, unter anderem die vergleichsweise hohe Geschwindigkeit, Portal­achsen mit Schraubenfedern, Allradantrieb mit Differenzialsperren vorne und hinten, Rahmenbauweise vergleichbar mit Lastwagen oder Pkw, Anbau­möglich­keiten für Geräte vorn, in der Mitte, seitlich und hinten sowie Betrieb einer Zapfwelle vorne, in der Mitte und hinten.
Bereits 1946 ein erstes Versuchsfahrzeug
Das erste Versuchsfahrzeug entspricht mit seiner schrägen Frontpartie, dem Fahrerhaus mit Verdeck und der Ladefläche dahinter Ende 1946 schon weit­gehend dem späteren Serienmodell. In dieser Zeit entsteht durch Hans Zabel auch der Name: Aus dem Begriff Universal-Motor-Gerät wird kurz Unimog.
Noch fehlte jedoch ein geeigneter Dieselmotor. Den steuert ab 1947 Daimler-Benz mit dem OM 636, der bereits im 170er der Vorkriegszeit Dienst tat, zu. Einer Fertigung steht bald nichts mehr im Weg – man braucht aber noch den richtigen Partner. Denn dafür kommt die Firma Erhard Söhne trotz ihres großen Engagements für die Entwicklung nicht in Frage. Es fehlen die technischen und finanziellen Voraus­setzungen für die Großserien-Fertigung. Verschiedene Autohersteller winken ab. Mit der Werkzeugmaschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen steigt 1947 ein ebenfalls branchenfremder Hersteller ein. Er tut es auch deshalb, weil der Betrieb auf Grund seiner bisherigen Rüstungsproduktion demontiert werden sollte und daher dringend nach einem zivilen Produkt sucht.
Material für die Serienfertigung wird beschafft, in diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen. Auch bemühen sich die Unimog-Entwickler um die passenden Reifen sowie die zwingend notwendigen Anbaugeräte für ihr Fahrzeug. Selbst­verständlich ist dies alles nicht: Schließlich gibt es bereits Traktoren, warum also alles auch auf den anders konzipierten Unimog „maßschneidern“? Doch bereits einige Monate später rückt der Unimog 1948 auf der ersten Nach­kriegs­ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Frankfurt erstmals in das Blickfeld der Öffentlichkeit.
Die Serienfertigung startet im Jahr 1948
Im August 1948 ist es dann so weit: Bei Boehringer beginnt die Serienfertigung des Unimog. In Windeseile muss nun ein neuer Vertrieb aus dem Boden gestampft werden. Und nicht nur die Landwirtschaft interessiert sich für das neuartige Fahrzeug. Auch Behörden zeigen Interesse, sie fordern passende Anbaugeräte. Es entwickelt sich die bis zum heutigen Tag sehr fruchtbare und enge Zusammenarbeit mit der Geräteindustrie.
Der Wechsel von Boehringer zu Daimler-Benz
Bis Sommer 1950 fertigt Boehringer rund 600 Unimog, die als Markenzeichen ein stilisierter Ochsenkopf mit Hörnern in Form eines „U“ auf der Motorhaube ziert. Für höhere Stückzahlen aber sind beachtliche Investitionen nötig, die Boehringer nicht aufbringen kann. Und so kommt es, wie es beim beruflichen Hintergrund der Entwicklungs-Mannschaft wohl kommen musste: Im Herbst 1950 übernimmt
Daimler-Benz das ganze Unimog-Geschäft einschließlich der Patente, der Entwickler und des neu aufgebauten Vertriebs. Der Unimog zieht in das damalige Lastwagen-Werk im badischen Gaggenau.
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