Traktionsreiche Geschichte: Die Mercedes-Benz Allradfahrzeuge
Stuttgart
02.08.2011
Weitere geländegängige Fahrzeuge
  • Die Konstruktionen bauen aufeinander auf
  • Der G 4 gerät zum Repräsentationsfahrzeug fürs Gelände
  • Auch leichte und wendige Fahrzeuge im Angebot
Bereits 1926 konstruieren die Ingenieuere der neu geschaffenen Daimler-Benz AG ein weiteres Fahrzeug, in das die Kompetenzen für den Bau geländegängiger Autos einfließen. Der G 1 (Baureihe W 103) entsteht im Rahmen eines Wettbewerbs des Reichswehrministeriums, das ein wendiges Fahrzeug für den Einsatz auf dem Gefechtsfeld sucht. Ebenfalls beteiligt sind die Unternehmen Horch und Selve. Zwar ist der G 1 ein Geländefahrzeug, doch keines mit Allradantrieb: Er hat drei Achsen, von denen die hinteren beiden, alle mit Zwillingsrädern bestückt, mit Motorkraft versorgt werden (Antriebsprinzip 6x4). Den Wettbewerb gewinnt schließlich der Horch 8 – konstruiert von Paul Daimler, der von 1923 bis 1928 bei Horch als Technischer Direktor fungiert.
Daimler-Benz betreibt die Entwicklung weiter. In Anlehnung an den G 1 werden die Lastwagen G 3 (1928) und G 3a (1929) entwickelt, allerdings mit deutlich längerem Radstand als beim G 1 (plus 647 beziehungsweise 847 Millimeter zwischen der Vorderachse und der ersten Hinterachse, je nach Ausführung). Die Bodenfreiheit wird auf 265 Millimeter erhöht. Auch bei beiden G 3 sind die beiden Hinterachsen angetrieben (6x4), die zudem Differenzialsperren haben. Somit sind sie zwar sehr geländegängig (Steigfähigkeit 25 Prozent), aber keine Allradfahrzeuge.
Ein Repräsentationsfahrzeug fürs Gelände
1934 entsteht der mächtige, sechsrädrige Personenwagen G 4 (Baureihe W 31), der im Werk Untertürkheim gebaut wird. Zunächst ist er durchaus für den harten militärischen Alltag gedacht, doch da er fahrbereit rund 3,7 Tonnen wiegt, erweist er sich dafür als zu schwer. Vor allem Staatschefs und ranghohe Militärs schätzen ihn jedoch bald als geländegängiges Repräsentationsfahrzeug. Die Kraftübertragung geschieht mit einer Kardanwelle auf die beiden hinteren Starrachsen, für gute Geländegängigkeit sorgen zwei Sperrdifferenziale (Steigfähigkeit bei voller Belastung: 43 Prozent). Optional gibt es eine Unterdruck-Bremsunterstützung – angesichts des hohen Gewichts sicherlich sehr willkommen. Insgesamt entstehen mit allen Motorvarianten 57 Stück bis zum Jahr 1939.
In der ersten Serie (1934 bis 1936) arbeitet ein 5,0-Liter-Achtzylindermotor vom Typ M 24, der bei 3400/min eine Leistung von 100 PS (74 kW) entwickelt. In der zweiten Serie (1937 bis 1938) leistet der Motor mit einem auf rund 5,3 Liter vergrößerten Hubraum 115 PS (85 kW). In der dritten Serie sind es dann aus 5,4 Liter Hubraum 110 PS (81 kW). Obwohl mehr möglich wäre, ist der G 4 aufgrund seines hohen Gewichts und der damaligen Reifenstabilität nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 67 km/h zugelassen. Immens ist der Treibstoffverbrauch, der auf der Straße mit 28 Litern und im Gelände mit 38 Litern angegeben ist. Kein Wunder, dass einige Fahrzeuge mit einem 140-Liter-Tank ausgerüstet sind.
Nur sehr wenige G 4 haben die Wirren des Zweiten Weltkriegs überlebt – lediglich drei absolut authentische Exemplare sind bekannt. Eines davon aus dem Jahr 1939 gelangt 2001 zur Teilrestaurierung in das Mercedes-Benz Classic Center nach Fellbach: Es befindet sich im Besitz des spanischen Königshauses. Für die Arbeiten gilt die Maßgabe, sämtliche Technik zu überholen und, wenn notwendig, in einen funktionsfähigen Zustand zurückzuversetzen, aber die Patina des seltenen Autos unangetastet zu lassen; sie wird lediglich konserviert.
In den 1930er-Jahren konstruiert Mercedes-Benz weitere Allradfahrzeuge, vornehmlich für den Einsatz in der deutschen Wehrmacht, die sich letztlich dann aber anders entscheidet. Dazu gehören 1935/36 der Typ 160 HM (Baureihe W 133 II) und der 160 VL (1936, W 139). 1935 entsteht zudem der Kübelwagen 170 VG (Baureihe W 133 III), bei dem die Kraftübertragung zur Vorderachse zuschaltbar ist. 1936 folgt der 170 VL (W 139) mit permanentem Allradantrieb als Vorstufe zum G 5 noch mit dem 1,7-Liter-Motor. Auch hat er für die bessere Wendigkeit eine Vierradlenkung, die bei Bedarf zuschaltbar ist und den Wendekreis von elf auf sieben Meter verkleinert. Von beiden Typen zusammen werden rund 100 Stück ausgeliefert.
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