Mercedes-Benz Zetros Fahrvorstellung
Wörth
30.03.2010
Das hochgeländegängige Fahrwerkskonzept
  • Optimiertes Feder-/Dämpfer-System
  • Diagonalverschränkungen bis 500 Millimeter
  • Wattiefe bis 1200 Millimeter
  • Besonders robuster Rahmen
  • Maximum an Traktion
Für einen waschechten Offroader ist Einzelbereifung rundum schon deshalb erste Wahl, weil die Räder der Hinterachse(n) dann der Spur der Vorderachse folgen können, ohne unnötigen zusätzlichen Fahrwiderstand aufzubauen, wie es bei zwillingsbereiften Hinterachsen der Fall wäre. Gewichtsgünstiger und auch der Bodenfreiheit zuträglicher ist große Einzelbereifung statt etwas kleiner dimensio­nierter Zwillingsbereifung ohnehin.
Standard ist beim Mercedes-Benz Zetros Einzelbereifung in der Reifengröße 14.00 R 20, die ihres größeren Durchmesser wegen per se schon für rund 75 Millimeter mehr Bodenfreiheit des Fahrzeugs steht, als es bei der größten üblichen Lkw-Bereifung (13 R 22,5) der Fall wäre. Die Bereifung 14.00 R 20 stellt zudem eine Tragfähigkeit von maximal 9,0 Tonnen pro singlebereifte Achse sicher, während für die Bereifung 13 R 22,5 – ebenfalls singlebereift – exakt 8,0 Tonnen das Maximum wären.
Lieferbar sind Felgen sowohl für schlauchlose Pneus als auch für Schlauchreifen. Alternativ zur Reifengröße 14.00 R 20 gibt es den Mercedes-Benz Zetros auch mit Reifen der Größe 395/85 R 20.
Falls Zwillingsbereifung gewünscht ist, liefert das Werk die Achsen auch mit den entsprechenden 22,5-Zoll-Felgen.
Reifendruckregelanlage auf Wunsch
Auf Wunsch ist der Mercedes-Benz Zetros mit einer Reifenfülldruckregelanlage erhältlich, die es erlaubt, je nach Gelände- und Bodenanforderung während der Fahrt von der Kabine aus den Reifendruck zu variieren. Vor allem auf losem Grund wie zum Beispiel sandigen Böden ist ein Fortkommen ohne gesenkten Reifendruck und somit verminderte Bodenpressung oft unmöglich. „Abgesenkter Luftdruck ist für die Traktion fast so gut wie Ballastierung“, bringt es eine Faust­formel aus dem Offroad-Bereich auf den Punkt.
Bei den Bremsen setzt der Mercedes-Benz Zetros auf klassische Trommelbremsen rundum, die anspruchslos im Unterhalt sind und selbst bei härtesten Offroad-Einsätzen unter allen klimatischen Bedingungen klaglos funktionieren. Die Aus­stattung mit dem Antiblockiersystem ABS ist Serie – es handelt sich dabei um ein abschaltbares ABS, das bei Bedarf abschaltbar ist (sinnvoll zum Beispiel bei Tal­fahrten im Gelände z.B. auf Kies oder Schotter, damit sich ein Bremskeil vor den Rädern aufbauen kann).
Breitspalt-Parabelfedern an allen Achsen
Als Achsaufhängung/Federung dienen vorn wie hinten Breitspalt-Parabelfedern in Verbindung mit Stabilisatoren und Stoßdämpfern. Das Feder-Dämpfer-System wurde speziell für die höheren Belastungen im Offroad-Einsatz ausgelegt und die Abstimmung der Achsaufhängung ist entsprechend angepasst. Genau auf harten Offroad-Einsatz hin optimiert sind zum Beispiel die Kennlinien sowie die Spannungs­­verteilung der Parabelfedern von Vorder- und Hinterachse(n).
Ebenfalls wurden Federaugenlager und Stabilisatorrückenlager speziell für harte Offroad-Anforderungen überarbeitet. Zudem verfügt der Mercedes-Benz Zetros über thermisch besonders hoch belastbare Stoßdämpfer, deren Wirkung von einer breiteren Dämpferspur als beim gewöhnlichen Baufahrzeug noch einmal profi­tiert. Auch der Stabilisator der Hinterachse ist speziell auf gehobene Anfor­derungen hin modifiziert.
Offroad-Eigenschaften - eine Klasse für sich
Ergebnis all dieser Maßnahmen ist, dass sowohl das Auffangvermögen als auch das Ansprechverhalten der Federung eine absolut offroad-gerechte Klasse für sich sind. Beides trägt maßgeblich zum extrem hohen Fahrkomfort des Zetros selbst unter härtesten Bedingungen bei. Damit einher geht nicht zuletzt eine Reduktion der Radlastschwankungen, was den Verschleiß entsprechender Aggregate und Komponenten reduziert. Hinter dieser höchst effektiven Feinabstimmung im Detail steckt langwierige und akribische Abstimmungsarbeit, die stark vom gesammelten Offroad-Know-how im Umfeld des Unimog profitiert hat. Varianten des Feder-Dämpfer-Systems zur Anpassung an verschiedene Achslasten sind möglich.
Für den Rahmen speziell bei Offroad-Fahrzeugen gilt: Um die notwendige Ver­schränkungsfähigkeit (Voraussetzung für ein Maximum an Traktion im Gelände) zu erlangen, ist eine hohe Verwindungselastizität erforderlich. Der Rahmen des Mercedes-Benz Zetros (9,5 Millimeter stark) ist ein biegesteifer (wichtig für die Straße), aber torsionsweicher (wichtig fürs Gelände) und somit sehr verwindungs­fähiger Leiterrahmen mit offenen C-Profil-Längsträgern sowie geschraubten C-Profil-Querträgern. Er stammt aus der Baureihe Actros, seine Steifigkeit und Stabilität wurde aber durch innen liegende Verstärkungswinkel sowie Ver­stärkungs­bleche an den Querträgern (jeweils 8,0 Millimeter dick) gezielt noch weiter erhöht. Der angeschraubte Rahmenkopf ist ebenfalls verstärkt und ermöglicht den Anbau von Frontgeräten.
Rahmen besonders robust
Insgesamt sind Rahmen sowie Rahmenkopf des Zetros so ausgelegt, dass das Fahr­zeug sowohl am Rahmenkopf als auch am Heck selbst voll beladen nicht nur abgeschleppt, sondern auch angehoben werden kann. Der Heckunterfahrschutz ist klappbar ausgeführt, so dass er für Fahrten im Gelände hochgeklappt werden kann und die Böschungswinkel nicht unnötig limitiert.
Vorn schützt den Kühler des Zetros eine robuste Kühlerschutzplatte aus massivem Stahl. Die Böschungswinkel in Standardspezifikation betragen vorn 27,6 und hinten 32,6 Grad. Das Chassis und die Freiräume (Radlauf zum Beispiel) des Mercedes-Benz Zetros sind grundsätzlich so ausgelegt, dass selbst bei 500 Milli­meter Diagonalverschränkung keine Kollisionen auftreten.
Serienmäßig ist der Mercedes-Benz Zetros zudem für eine Wattiefe von maximal 800 Millimetern konzipiert. Eine Erhöhung der Watfähigkeit auf maximal 1200 Millimeter ist möglich.
Wattiefe bis 1,2 Meter Wasserlinie
Möglich wurde dies durch eine Vielzahl von Anpassungen sowohl einzelner Kompo­nenten als auch ganzer Konstruktionsgruppen. Zwei Kriterien stehen dabei stets im Vordergrund: Abdichtung und Entlüftung. Denn einerseits müssen Bauteile, die in Kontakt mit Wasser, Schmutz und Schlamm treten können, genau dagegen abgedichtet werden.
Andererseits müssen all diese Bauteile natürlich weiterhin die Möglichkeit zur Entlüftung bekommen. Diese wird durch ein ausgefeiltes Entlüftungssystem bewerkstelligt, das sich im Wesentlichen aus einem Netz an Entlüftungs­leitungen zusammensetzt, das sich über das gesamte Fahrzeug erstreckt. Die einzelnen Leitungen münden über der Wasserlinie ins Freie. Als Anschlussstelle dient die Fahrerhausrückwand ihrer zentralen Position wegen.
Die wichtigsten watfähig gemachten Baugruppen sind: Bremsanlage, Achsen, Schalt- und Verteilergetriebe sowie die Lenkung. Aber auch die vorderen und hinteren Leuchten sind sowohl am Gehäuse als auch an den elektrischen Anschlüssen gegen Wassereintritt abgedichtet und mit Entlüftungsleitungen versehen.
Des Weiteren sind zum Beispiel das Schwunggehäuse sowie der Generator auf besondere Art gekapselt. Gerade beim Generator hat sich gezeigt, dass sich sonst dort Schmutz sammeln und zum Ausfall der Lichtmaschine führen kann. Die Belüftung des gekapselten Zetros-Generators geschieht via Schnorchel. Die Kühlluftverrohrung erhielt einen Siphon oberhalb der Wasserlinie.
Der serienmäßige Luftansaugkamin an der A-Säule ist nicht nur eine weitere Voraussetzung für die Watfähigkeit des Zetros, sondern bietet darüber hinaus auch noch den Vorteil, dass erheblich weniger aufgewirbelter Staub eingesaugt wird. Die Art und Weise, in der das Haubenfahrzeug Zetros watfähig gemacht wurde, basiert auf der fast 60 jährigen Erfahrung mit solchen Konzepten beim Unimog.
Identische Schnittstellen für Aufbauten
Die Schnittstellen für Aufbauten sind beim Mercedes-Benz Zetros identisch mit denen der Reihen Actros und Axor. Die Adaption verschiedenster An- und Auf­bausysteme erfordert also im Prinzip keinen zusätzlichen Aufwand. Der glatte, gerade und extrem belastbare Rahmen eignet sich zugleich aber auch für maß­geschneiderte und individuelle Aufbaulösungen aller Art. Der verstärkte und geschraubt ausgeführte Rahmenkopf des Mercedes-Benz Zetros ist darüber hinaus extra für den Anbau von Frontgeräten konzipiert.
Doch empfiehlt es sich, eine Besonderheit zu beachten: Die bei Fahrten in unebenem Gelände hervorgerufene Verschränkung der Achsen wird nicht nur durch die Fahrzeugfederung möglich, sondern zu einem großen Teil auch durch die Verwindung des Rahmens. Um die volle Mobilität im Gelände zu erhalten und den Aufbau von der Rahmenverwindung zu entkoppeln, empfiehlt Mercedes-Benz im Geländeeinsatz eine verwindungsfreie Aufbaulagerung, wie zum Beispiel eine doppelte Dreipunktlagerung. Grundsätzlich liegt beim Mercedes-Benz Zetros die Aufbaulagerung im Verantwortungsbereich des Aufbauherstellers. Der Aufbau­hersteller hat somit innerhalb gewisser Grenzen die Freiheit, das Anschluss­konzept zwischen Rahmen- und Aufbaustruktur selbst zu wählen.
Klar strukturiertes Baumuster
Der Radstand des Zetros-Zweiachsers beträgt grundsätzlich 4.800 Millimeter; die Abmessungen der dazugehörigen Standardpritsche belaufen sich auf 5.100 Milli­meter Länge sowie 2.450 Millimeter Breite bei 500 Millimeter hohen Bord­wänden. Die Gesamtlänge des Zweiachsers liegt (ohne Aufbau) bei 7.806 Milli­metern. Das maximal zulässige Gesamtgewicht beträgt 16,5 respektive 18,0 Tonnen: je nachdem, ob es sich bei den Vorderachsen um 7,5- oder 9,0-Tonnen-Achsen handelt. Der Wendekreis des Zweiachsers beläuft sich auf 20,5 Meter.
Der Radstand des Zetros-Dreiachsers beträgt grundsätzlich 4.750 + 1.450 Milli­meter; die Abmessungen der dazugehörigen Standardpritsche belaufen sich auf 6.200 Millimeter Länge sowie 2.450 Millimeter Breite bei 500 Millimeter hohen Bordwänden. Die Gesamtlänge des Dreiachsers liegt (ohne Aufbau) bei 8.956 Milli­­metern. Das maximal zulässige Gesamtgewicht beträgt 25,0 respektive 27,0 Tonnen: je nachdem, ob es sich bei den Vorderachsen um 7,0- oder 9,0-Tonnen-Achsen handelt. Der Wendekreis des Dreiachsers beläuft sich auf 23,5 Meter.
Produktsicherheit nach höchsten Entwicklungsstandards
Produktsicherheit steht für Mercedes-Benz von der Erstellung eines ersten Konzepts bis hin zum zulassungsfähigen Gesamtfahrzeug an erster Stelle. Obwohl großteils auf bekannter und bewährter Großserientechnik basierend, hat der Mercedes-Benz Zetros insgesamt die gleiche sorgfältige Entwicklung und Produkt­absicherung hinter sich wie alle Fahrzeuge mit dem Stern im Grill. Zu den wichtig­­sten Elementen dieses Prozesses gehören:
Absicherung durch numerische Simulation (FEM): Aufbau eines Finite-Elemente-Modells zum Beispiel des Rahmens aus der gegebenen CAD-Geometrie, sodann Definition der Randbedingungen (Lagerung) sowie der aufzunehmenden Lasten. Die aus den entstehenden Verwindungen resultierenden Verzerrungen und Verschiebungen der Struktur werden errechnet. Und aus diesen Ergebnissen wiederum wird abgeleitet, ob die Geometrie der Bauteile den Anforderungen genügt oder ob Bauteile oder Material noch weiterer Änderungen bedürfen.
Absicherung durch Hydropulserprobung: Belastung des Rahmens auf servo­hydraulischem Prüfstand (abgekürzt „Hydropuls“) in einer Art, die 500 Stunden extremster Geländefahrt entspricht. Innerhalb kurzer Zeit können Fahrgestelle und Fahrerhäuser Belastungen ausgesetzt werden, die im praktischen Fahr­versuch einem Pensum von mehreren 100.000 Kilometern entsprächen. Vorteile der Prüfstandserprobung: klar definierbare Randbedingungen und Umwelt­verhält­nisse sowie Zeitgewinn.
Umfangreicher Fahrversuch für extreme Tauglichkeit
Praktischer Fahrversuch: Nicht alles, worauf es beim Gesamtfahrzeug ankommt, ist durch Rechnersimulation und Prüfstand abgedeckt. Kriterien wie Fahrgefühl, Haptik oder Gesamtabstimmung der Systeme können am Ende doch nur in der realen Welt den letzten Schliff für ein reibungsloses Miteinander erfahren. Aus­führlich getestet wurde der Mercedes-Benz Zetros darüber hinaus in Sommer- sowie Wintererprobung: Im finnischen Rovaniemi am Polarkreis und in der süd­spanischen Sierra Nevada wurde das neue Haubenfahrzeug auf Hitze- sowie Kältetauglichkeit geprüft.
Weitere Stationen der praktischen Fahrversuche: Intensivste Schlechtweg-Erprobung im neu errichteten Entwicklungs- und Versuchszentrum (EVZ) in Wörth auf insgesamt 14 verschiedenen Fahrbahnprofilen. Zudem Funktions-Erprobung wie der Watfähigkeit zunächst unter exakt definierten Bedingungen im Wasserbecken, später im Schlamm. Sodann frühzeitig auch schon Gelände-Erprobung auf äußerst anspruchsvollen Pisten in Tunesien, wo zudem optimale Bedingungen herrschen, um den Staubeintrag in der angesaugten Luft aufzu­zeigen und die Wirksamkeit des Zyklon-Vorabscheiders am Ansaugkamin zu examinieren. Zudem weitere Fahrversuche auf den Geländestrecken Horstwalde und Welzow Süd (Braunkohle-Tagebau), die ideale Bedingungen für die Erprobung des Fahrverhaltens auf Steilstrecken und tiefgründigem Gelände bieten.
Lückenlose Einbindung in die Mercedes-Benz Servicewelt
Weitere und für den reibungslosen Betrieb genauso entscheidende Produkt­sicher­heit bietet dem Kunden der Umstand, dass der Mercedes-Benz Zetros eben wei­test­gehend aus dem Großserienfundus von Mercedes-Benz schöpft und generell in die weltweite Ersatzteil- und Servicewelt von Mercedes-Benz einge­bunden ist. Mehr als 5.000 Stützpunkte in 160 Ländern stehen für weltweite Verfügbarkeit von Ersatzteilen, zudem marktgerechte Preise sowie schnellen und professio­nellen Service selbst an den entlegensten Ecken der Erde.
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